Einführung

von Ngala Rig’dzin Dorje

Meine Wurzellehrer, Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen, ersuchten mich dringendst diesen Text so vielen Menschen wie nur möglich zugänglich zu machen. Sie hatten bereits mehrere Jahre nach diesem Text gesucht, und ich war schließlich in der glücklichen Lage ihn nach langen Nachforschungen aufzufinden. Sie baten mich auch eine kurze Einführung zu diesem Text zu schreiben, basierend auf meiner Erfahrung mit der im Westen vorherrschenden Denkweise.

Ich bin äußerst glücklich darüber, dass ich im Laufe der Zeit mehr und mehr Menschen dazu bewegen konnte mit dem Rauchen aufzuhören und Ihnen tibetische Medizin zur Reinigung zur Verfügung stellen konnte. Ich hoffe aufrichtig, dass eine weitere Verbreitung dieses Texts von Seiner Heiligkeit Düd’jom Rinpoche für alle ernsthaft am Vajrayana Interessierten einen entscheidenden Wendepunkt darstellen wird – denn gleichzeitig zu rauchen und sich selbst als Praktizierenden zu sehen ist ein trauriger Widerspruch. Vajrayana erscheint einzigartig darin, dass es Tabak, sowie auch andere Drogen, nicht nur als schädlich für die physische Gesundheit erachtet, sondern auch als ernstlich zerstörerisch für die spirituelle Gesundheit. Es ist besonders schädlich für das rTsa-rLung System und macht jedwede formlose Praxis völlig wertlos. Ngak’chang Rinpoche sagte einmal: Raucher die stille Sitzmeditation betreiben sitzen einfach nur in einer Wolke von Rauch, deren sie allerdings nicht im geringsten gewahr sind – und in der sie völlig ohne Gewahrsein verbleiben.

In diesem grundlegenden Aufsatz1 über dieses Thema erklärt SH Düd’jom Rinpoche die nicht-gewöhnliche visionäre Geschichte des Tabaks, welche die schädliche Natur von diesen giftigen Substanzen entsprechend den Offenbarungen verschiedener gTérmas beleuchtet. Damit Praktizierende des Vajrayana besser die Gefahr des Rauchens verstehen können sammelte SH Düd’jom Rinpoche hervorstechende Äußerungen von Padmasambhava, die sich auf Tabak und andere Drogen beziehen, für jene, die diese heiligen Offenbarungen als ihre Zuflucht erachten. Warnungen bezüglich Tabak und anderen Drogen wurden seit langer Zeit in Tibet von den großen gTértöns in ihren gTérmas enthüllt, und von daher kann kein authentischer Nyingma Praktizierender annehmen, dass die hier dargelegten Worte nicht auch auf ihn zutreffen würden. Warnungen über Tabak und andere Drogen findet man allerdings in sämtlichen Linien des Vajrayana, und die Ratschläge zu diesem Thema sind äußerst umfangreich.

Die visionären Beschreibungen die hier dargelegt werden sprechen von dämonischer Intention, und derartige Ideen könnten für manche Menschen die noch nicht viel Erfahrung mit der Praxis des Vajrayana haben als „schwierig“ erachtet werden. Wir würden daher alle, die Schwierigkeiten im Umgang mit diesen Enthüllungen haben, bitten darüber nachzudenken, warum diese Warnungen innerhalb der buddhistischen Welt nicht weiter verbreitet sind. Es kann nicht daran liegen, dass SH Düd’jom Rinpoche nicht bekannt genug wäre, oder dass ihm zu wenig Respekt in der Welt des tibetischen Buddhismus entgegengebracht würde.

Wir könnten uns auch fragen, warum denn immer noch derart viele Menschen rauchen, wo doch aus medizinischer Sicht die Schädlichkeit eindeutig feststeht. Und warum sind Regierungen, die Gesetze gegen alle möglichen Dinge erlassen, nicht in der Lage gerade diese Substanz zu verbieten. Wie ist das möglich angesichts der Tatsache, dass die gleichen Regierungen Gesetze erlassen haben, dass Tabakwaren und Werbungen für Tabak eine Warnung für das Gesundheitsrisiko beinhalten müssen? Gibt es irgendeine andere nicht von Ärzten verschriebene Substanz am Markt, welche eine Warnung für die Gesundheit beinhaltet – gar nicht davon zu sprechen welch drastische Warnungen im Zusammenhang mit Tabak gegeben werden? Aus welchem Grund ist diese Substanz nach wie vor legal erhältlich? Wie ist es möglich dass Kinder dem Rauch von Zigaretten ausgesetzt werden können, ohne dass man von Kindesmissbrauch spricht – wo doch gezeigt wurde dass passives Rauchen gerade so schädlich ist wie aktives Rauchen? Wir leben in Gesellschaften wo gegenüber vergleichbaren Themen eine hohe Sensibilität vorherrscht – aus welchem Grund gibt es nicht ein gleiches Maß an Sorge über den Schaden, den Kinder durch Zigarettenrauch erleiden wie es zum Beispiel Sorge gibt um Schußwaffen? Tod bleibt Tod – egal was die Ursache dafür ist, und ein Dämon bleibt ein Dämon – egal wie wir ihn benennen.

Die „dämonische Qualität“ des Tabaks ist offenkundig, egal ob wir den „Dämon“ als solchen erkennen oder nicht. Die wichtigste Tatsache hier besteht für jeden der Respekt und Hingabe gegenüber SH Düd’jom Rinpoche empfindet darin, dass das Rauchen die eigene Praxis sowie jegliches Samaya zerstört. SH Düd’jom Rinpoche ist jener Lama, der von den meisten anderen heute lebenden Nyingma Lamas verehrt wird als der Inbegriff sämtlicher Inspiration – für alle die bisher noch nicht von den negativen Effekten des Rauchens überzeugt waren, bitte nehmt diese Gelegenheit wahr um euch von dem zerstörenden Einfluß des Tabaks zu befreien.

 

1. Der folgende Aufsatz wurde ursprünglich von Könchog Ten’dzin im Jahr 1979 übersetzt (mit der Hilfe von Erklärungen durch Khenpo Pema Shérab). Diese hier vorliegende Version basiert auf der englischen Übersetzung, die 1999 vom Übersetzungskomitee der konföderierten Sanghas von Aro unter Aufsicht von Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen erstellt wurde.